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Als in Zell ein Nachtwächter ...

Feuer im Bereich des Beachvolleyball-Platzes und zurückgelassene Getränkedosen sowie anderweitiger Unrat.

… seines Amtes waltete, dürften Vorkommnisse, wie am 21. April stattgefunden, nicht der Tagesordnung angehört haben. In den frühen Abendstunden des erwähnten Tages setzten sich Jugendliche über die gegenwärtig in Kraft befindlichen Ausgangsbeschränkungen hinweg und trafen sich im Freizeitpark, wo nicht nur Getränke konsumiert wurden, sondern im Bereich des Beachvolleyball-Platzes auch ein Lagerfeuer entzündet wurde.

Bei Eintreffen von Exekutivbeamten wurde von den Feiernden das Weite gesucht, wobei vor Ort noch die Daten zweier Jugendlicher aufgenommen werden konnten. Nach Auswertung von Aufnahmen der auf dem Areal installierten Überwachungsanlage – die gegenwärtig im Gange ist – werden mit Sicherheit weitere Personen, die an der verbotenen privaten Veranstaltung teilgenommen haben, eruiert werden können. Weiteren Teilnehmern der „Freizeitpark-Party“ wird aus diesem Grunde angeraten, sich noch vor entsprechendem Bekanntwerden bei der Polizeiinspektion Zell zu melden.

Johann Lackner auf einer Fotografie aus dem Jahre 1908, ausgestattet mit Hellebarde, Signalhorn und Sturmlaterne.

Über den Nachtwächter Johann Lackner berichtet dessen Nichte Ida Winkler in ihren 1950 niedergeschriebenen Erinnerungen: „Unser Onkel Hannes war in der Gemeinde Zell ‚Mädchen für alles‘. Er bekleidete den Posten eines Gemeindedieners. Als solcher mußte er öfters in Uniform ausrücken und im Namen des Gesetzes einen Vagabunden per Schub ins Schwazer Gericht befördern. Da setzte er dann immer die Amtsmiene auf und sprach nur hochdeutsch. Einen weiteren verantwortungsvollen Dienst leistete er als Nachwächter. So gefiel er den Fremden am besten und wurde in seiner schmucken Nachtwächtertracht des öfteren fotografiert.“

Eines dieser Fotos ist noch erhalten und oben abgebildet. Die Uniform des Nachtwächters bestand aus einem langen braunen Lodenmantel und einem Hut samt Feder und aufgestülpter Krempe. Bestand irgendeine Gefahr, dann blies er ins Horn, als Waffe trug er eine Lanze bei sich und eine Laterne spendete Licht.

„Zu jeder vollen Stunde sang er mit lauter Stimme: ‚Liebe Leutlen, laßt’s euch sag’n, der Hammer im Turm hat elfe g’schlagn, nehmt’s euch vorm Feuer in acht! Gute Nacht! Gelobt sei Jesus Christus.‘ Aus den Fenstern ertönte dann häufig die fromme Antwort: ‚In Ewigkeit. Amen!‘, worüber sich der gottesfürchtige Nachtwächter besonders freute. Eine sehr schwere Arbeit versah mein Onkel auch als Totengräber. Doch etwas Angenehmes hatte auch dieser Dienst. Er durfte nach jedem größeren Begräbnis bei der Totenzehrung im Gasthaus mithalten. Bis zum Beginn des Weltkrieges im Jahr 1914 wurde da jedesmal ein Festessen aufgetragen, wie bei einer Hochzeit. Viele Gäste waren geladen, erst gegen zwei Uhr nachmittags ging man heim. Man bekam zuerst Nudelsuppe mit Würstl, dann Speckknödel mit Kraut, im Rohr gebackene Leber mit Beilagen und Rindfleisch mit gerösteten Kartoffeln. Nach längerer Pause gab es einen fetten Schweinsbraten, Salzkartoffeln und Salat. Zum Schluß aß man noch Krapfen mit Zwetschgenkompott. An Getränken mangelte es natürlich keineswegs, und so wurde gar mancher Rausch geliefert. Bevor die Leute heimgingen, betete der Totengräber noch den Englischen Gruß. Man erzählte sich, daß die Zehrungskosten manchmal so groß waren, daß ein weniger bemitteltes Bäuerlein an den Schulden jahrelang zu tragen hatte. Ein jeder wollte eben ‚rantig tun‘! Im Dienste der Kirche fuhr Onkel Hannes alljährlich am Gründonnerstag nach Salzburg, um das heilige Chrisam-Öl für alle Tiroler Pfarren der Diözese Salzburg zu holen. An den verschiedenen Bahnhöfen wurden die heiligen Gefäße wartenden Vertretern der Pfarreien übergeben.“

Auch die Protokollbücher des Zeller Gemeinderates befassen sich in diversen Eintragungen mit dem Dienstposten des Nachwächters wie nachstehend angeführt.

Sitzung vom 14. Dezember 1910: „Dem Ansuchen des Gemeindedieners Johann Lackner um Aufbesserung seines Lohnes von Kronen 24 auf Kronen 32 per Monat wird Folge gegeben und beginnt die Aufbesserung mit 1. Jänner 1911.“

Lackner dürfte entweder verstorben oder aus dem Dienst geschieden sein, da am 14. Jänner 1911 wie folgt protokolliert wird: „Über Antrag des Ausschuß-Mitgliedes Kaspar Schneider, auf unbestimmte Zeit einen Nachtwächter zur Sicherung gegen Einbruch und Feuersgefahr einzustellen, wird einstimmig beschlossen, sich mit einer für diese Stellung geeigneten Person ins Einvernehmen zu setzen und Entlohnungsansprüche zu vereinbaren.“

Sitzung vom 5. April 1923: „Betreffs Besetzung der Stelle eines Nachtwächters wird beschlossen, durch öffentliche Verlautbarung Bewerber aufzutreiben, die Bewerbung auszuschreiben und dieselbe im Konkurrenzwege zu vergeben.“

Sitzung vom 21. August 1924: „Betreffs Anstellung eines Nachtwächters wird auf Grund der Zuschrift von der Tiroler Landesregierung einstimmig beschlossen, dieser mitzuteilen, daß der Gemeinderat nicht in der Lage ist, einen Nachtwächter voll zu bezahlen und dafür von der Anstellung eines solchen Abstand genommen hat.“

In den nachfolgenden Jahren taucht das Thema „Nachtwächter“ in Sitzungsprotokollen nicht mehr auf, sodaß angenommen werden kann, daß dieser Berufsstand in Zell am Ziller ab den 1920-er Jahren (oder sogar den 1910-er Jahren) nicht mehr ausgeübt worden ist bzw. keine Nachbesetzung des Dienstpostens mehr erfolgte.

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